Langdock für alle KI-Modelle?

Langdock ist eine Berliner Firma, die viele KI-Modelle aller großen Hersteller über ein einheitliches Portal anbietet. Das ist grundsätzlich für alle Nutzer eine schöne Lösung, die nicht bei mehreren Anbietern zur Kasse gebeten werden wollen. Bei KI-Modellen ist der Datenschutz, insbesondere bezüglich der DSGVO, ein kritisches Thema, auch daher ist ein deutscher Anbieter natürlich eine interessante Alternative. In diesem Artikel schaue ich mir Langdock genauer an und zeige Vor- und Nachteile auf.

Langdock ist eine deutsche Alternative für die Nutzung mehrerer KI-Modelle in einer Oberfläche zu einem Preis. Kann das was?
Langdock ist eine deutsche Alternative für die Nutzung mehrerer KI-Modelle in einer Oberfläche zu einem Preis. Kann das was? Bild: Gemini

Die Anmeldung: eher mühsam…

Beim Anmelden war ich erstmal überrascht, wie mühsam sich das gestaltete:

  • mehrere E-Mail-Adressen, die ich für Testaccounts nutze, wurden abgelehnt bzw. direkt geblockt (u.a. der Dienst Addy.io, den ich sehr empfehlen kann und mit dem ich selten solche Probleme habe). Ich musste also eine „echte“ E-Mail-Adresse verwenden.
  • Bevor ich anfangen konnte zu testen, wurden für meinen Geschmack sehr viele Daten abgefragt (Firmengröße, Name, Telefonnummer). Ob da wohl wirklich der DSGVO-Grundsatz der Datensparsamkeit eingehalten wird oder ob sich da eher das Marketing durchgesetzt hat?

Schlussendlich landete ich in der Übersicht, war aber überrascht, dass ich bei einem Anbieter, der mir als vernünftig bezüglich Datenschutz empfohlen wurde, den Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) nur über Google finden konnte. Dieser Vertrag ist gemäß der DSGVO zwingend zur Verarbeitung personenbezogener Daten erforderlich. Ich hätte in den Einstellungen im Bereich Sicherheit zumindest einen Link erwartet, wie ich das von anderen Anbietern, z.B. Brevo (E-Mail-Newsletter), gewohnt bin. Ein kurzer Quercheck des AVV mit Gemini 3.1 Pro brachte zutage, dass die Verantwortung dem Nutzer überlassen bleibt, wenn es sich um Modelle handelt, die nicht in Europa gehostet sind.

Aber immerhin: man bekommt den AVV in einem akzeptablen Preisniveau.

Die besten Modelle nutzen? Eher nicht…

Ich habe bei einem schnellen Test nicht verstanden, warum Langdock zwar auch die neuesten Modelle haben soll, diese mir aber nicht in der Auswahl angezeigt wurden. Tatsächlich war die Modellauswahl wenig begeisternd (Stand Mai 2026):

  • kein Gemini 3.1 (noch auf 2.5, 3.0 gibt’s seit 11/25)
  • kein ChatGPT 5.5 (noch auf 5.4)
  • kein Claude Opus 4.7 (gar kein Opus, 4.5 gibt’s seit 11/25)

Das “Beste” bekommt man da also sicher nicht, es reicht für “normale” User und Use Cases aber sicherlich. Das ergibt für mich auch absolut Sinn – warum sollte ich als Anbieter der neuesten Modelle diese einem Reseller ohne Verzögerung zur Verfügung stellen?

Gehostet von OpenAI (unten links)? Die Modelle sind nicht besonders aktuell.

Zusätzlich variiert der Verbrauch des Nutzungslimits stark mit der Wahl des Modells – nutzt man die besseren Modelle, wird also vermutlich früher eine freundliche Nutzungsbeschränkung oder Tariferhöhung angezeigt werden. Die Modelle werden direkt bei den Anbietern gehostet, zumindest bei ChatGPT und Gemini, aber immerhin in der EU.

Features bei Langdock: Naja…

Eines meiner Lieblingsfeatures ist der Canvas: Text editieren mit der KI. Das kann es nur eingeschränkt: Langdock kann zwar einen Text in einem eigenen Fenster öffnen, allerdings nur, wenn man das jeweilige Modell dazu auffordert. Man kann dann dort editieren, aber leider erkennt das Sprachmodell dann die vorgenommenen Änderungen, nicht. Genau das empfinde ich aber beim gemeinsamen Arbeiten an Texten besonders wertvoll, auch bei Custom GPTs bzw. Gems.

Andere Features, die man gewohnt ist, sind dabei: Dateiupload, intensive Recherchen, Projekte und „Agenten“ lassen sich problemlos nutzen. Beim Programmieren sieht es wieder schwächer aus: Ein Plugin für die Programmierumgebung Visual Studio Code, wie bei Gemini, Claude oder ChatGPT, scheint es leider nicht zu geben. Über die API kommt man aber wohl auch an die Modelle von Langdock, das habe ich jedoch nicht getestet.

Langdock: mein Urteil

Langdock ist eine sinnvolle Alternative für alle, die viele solide KI-Modelle aus einer Hand haben möchten, ohne jeweils die Oberfläche wechseln zu müssen. Wenn man immer mit den neuesten Modellen arbeiten will, ist zumindest der Vorteil des Datenschutzes nicht gegeben; auch in der EU wird oft bei den jeweiligen Anbietern gehostet (OpenAI, Google, Microsoft).

Bei der Nutzung der modernsten Modelle scheint auch Langdock die Daten wieder in die USA zu schicken und diese Fälle aus dem AVV auszusparen. Bezüglich der Features ist bei Langdock nicht damit zu rechnen, dass spannende Neuerungen direkt nutzbar sind, da die Oberfläche z.B. den Canvas-Modus, der bei ChatGPT und Gemini verfügbar ist, nicht abbildet und nur eingeschränkt als Funktion anbietet.

Wie es sich bezüglich der Kosten bei der tatsächlichen Nutzung darstellt, habe ich nicht getestet. Ich würde aber hoffen, dass das Nutzungsvolumen ungefähr den Mengen entspricht, die man für das gleiche Geld bei den Anbietern direkt bekommt. Eindeutige Aussagen habe ich zumindest bei einer kurzen Recherche nicht gefunden.

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