Bei der Medizin sind die Grenzen der KI schnell erreicht. Ich habe leider, wie mein Hausarzt sagt, ab und an „Krankheitsfurcht“, das heißt, ich bin übermässig um meine Gesundheit besorgt. Bekannter ist der Begriff Hypochondrie, aber ich fand es spannend, den deutschen Begriff zu lernen.
In diesem Artikel geht es darum, wie eine KI (hier: Google Gemini 3) mich gesundheitlich auf einer Reise beraten hat, aber eine entscheidende Schlussfolgerung, die mir kurz vor Ende eingefallen ist, leider nicht hinbekommen hat. Obwohl sie vermeintlich mit dem Wissen jedes Arztes oder promovierten Biologen mithalten kann.

Stechmücken in der Karibik und Dengue Fieber
Aus Gründen™ wollte ich schon länger alleine ein paar Wochen in die Karibik. Die Wahl fiel auf Saint Martin bzw. St. Maarten, da dies für die Verfolgung eines geschäftlichen Nebenziels eine gute Option war. Auf dieser Insel gibt es nur eine Krankheit, die mich nervös gemacht hat: Dengue Fieber.
Gegen alles andere war ich sowieso schon geimpft, aber bei Dengue ist das komplizierter. Man stirbt allerdings in der Regel nicht daran, so dass ich das Risiko mit leichtem Unbehagen einging.
Dengue-Fieber: Dies ist das häufigste Problem in der Karibik. Es wird auch „Knochenbrecherfieber“ genannt, weil es starke Glieder- und Muskelschmerzen verursacht, begleitet von hohem Fieber.
Aktuelle Lage: Dengue tritt auf St. Martin und St. Barths regelmäßig (endemisch) auf.Gemini 3 Pro zu Dengue auf Saint Martin
Aufgrund dieser Aussage war ich die ersten Tage auf Saint Martin sehr vorsichtig, was Mücken anging.
Grenzen der KI: Austausch mit Menschen!

An einem der ersten Abende ging ich in eine Bar, um ein Bier zu trinken und kam ins Gespräch mit Locals, in diesem Fall Europäern, die dort arbeiten. Die waren von meiner Frage, ob man sich Sorgen um Dengue machen müsse sehr irritiert: obwohl sie aus dem gleichen Kulturkreis kamen, meinten sie, dass das kein Problem wäre.
Ich war darauf deutlich entspannt, aber dennoch vorsichtig und sprühte mich z.B. beim Ausgehen abends mit entsprechenden Mitteln ein. Und ich habe sehr viel über Stechmücken gelernt!
Mücken-Fakten
Hier ein paar der spannenden neuen Informationen, die für die meisten Stechmücken ebenso gelten wie für die Tigermücke, die Dengue Fieber übertragen kann. Ich habe das nicht unabhängig im Detail gegengeprüft, aber es ergibt Sinn:
- Stechmücken sind schlechte Flieger: mit einem starken Ventilator über dem Bett ist es ihnen nahezu unmöglich, da zu landen, wo sie eigentlich landen möchten. Das liegt neben der Flugkunst auch an dem geringen Gewicht, aufgrund dessen man sie schnell wegwehen kann.
- Stechmücken mögen es warm: bei niedriger Zimmertemperatur verlieren Mücken in der Regel die Energie und Lust, zu fliegen. Ausnahme: wenn sie sehr hungrig sind. Ich habe oft in kalten Hotelzimmern geschlafen in diesem Urlaub. Bis ich auf Nachfrage gelernt habe, dass die ursprünglich geratenen 20 Grad gar nicht ausreichen.
Gemini 3 bei einer späteren Rückfrage: „[Tigermücken stell[en] das Stechen erst bei ca. 14–15 Grad ein.“. Das war mir dann doch zu kalt. 🥶 - Klimaanlagen trocknen Mücken aus: läuft immer die Klimaanlage, trocknen die Mücken aus. Wenn sie das nicht so wütend macht, dass sie erst recht stechen, sterben sie.
- Citronella-Öl-Kerzen sollte man nicht über Nacht brennen lassen: „Das Citronella-Öl in Kerzen ist oft synthetisch und hochkonzentriert. Über 8 Stunden eingeatmet, kann es die Schleimhäute austrocknen und reizen.“
- Popup-Moskito-Zelte: beim nächsten Urlaub mit Mückengefahr beim Schlaf habe ich ein Popup-Zelt dabei, das problemlos in den Koffer passt. Hab ich gleich gekauft, als ich zurück war.
Grenzen der KI: eben doch nicht so schlau…
Ein paar Tage vor dem Abflug musste ich aus irgendeinem Grund zurück an die Corona-Pandemie denken. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: die lokale Inzidenz!
Tigermücken leben nicht lange, und um Dengue zu übertragen muss die Mücke logischerweise erst einmal das Dengue-Virus in sich tragen. Das kann passieren, indem sie von einer Trägermücke abstammt oder indem sie einen Menschen mit Dengue sticht. Beides ist abhängig davon, wieviel Dengue es auf der Insel gibt.
Natürlich gab es Veröffentlichungen der aktuellen Inzidenz, wenn auch schwierig zu finden. Ergebnis: kein Dengue auf der ganzen Insel – also auch keine Gefahr für den Hypochonder.
Die Moral von der Geschicht‘ – traue der KI nicht!
Und hier schließt sich der Kreis zu meinem Credo: vertraue keiner KI bei Themen, bei denen Du Dich nicht selbst auskennst. Die erste Probe war das Sprechen mit Locals – das hat schon zu einer deutlichen Neubewertung geführt. Aber erst das eigene Nachdenken hat dazu geführt, überhaupt die Lösung zu Tage zu fördern.
Und damit kommen wir zum zentralen Punkt: hätte Gemini 3 Pro tatsächlich die Intelligenz eines Arztes oder eines promovierten Biologen, dann hätte es wohl gleich zu Beginn gesagt:
„Prüfen Sie die lokale Dengue Inzidenz, bevor Sie sich Sorgen machen!“
